Wärmerückgewinnung bei der Lüftung — einfach erklärt

Wärmerückgewinnung bei einer Lüftungsanlage bedeutet, dass die Anlage die Wärme aus der verbrauchten Abluft an die frische Zuluft übergibt, bevor die alte Luft nach draußen geht. Beide Luftströme berühren sich dabei nie. So bleibt ein Großteil der Heizwärme im Haus, statt mit der Lüftung zu verschwinden. Der wichtigste Punkt beim Vergleich zweier Geräte: Achten Sie auf die richtige Kennzahl im Datenblatt und vergleichen Sie immer dieselbe.

Kaum ein Begriff wird in der Lüftungswerbung so großzügig verwendet wie die Wärmerückgewinnung. Prospekte versprechen „bis zu 95 Prozent“, und für den Laien klingt jede Zahl gleich seriös. Genau hier lohnt sich ein ehrlicher Blick, denn hinter dem Wort stecken zwei verschiedene Kennzahlen, die oft verwechselt werden. Dieser Beitrag erklärt, wie Wärmerückgewinnung physikalisch funktioniert, worin sich die beiden Zahlen unterscheiden und woran Sie im Datenblatt einen belastbaren Wert erkennen. Was sich das finanziell rechnet, steht im Kostenüberblick; die Amortisation wiederholen wir hier bewusst nicht.

Wie funktioniert Wärmerückgewinnung bei der Lüftung?

Das Prinzip ist einfacher, als es klingt. Eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung führt zwei Luftströme aneinander vorbei: die warme, verbrauchte Abluft aus dem Raum und die kalte Frischluft von draußen. Auf ihrem Weg gibt die Abluft ihre Wärme an ein Bauteil ab, das diese Wärme kurz speichert und an die einströmende Frischluft weitergibt. Die frische Luft kommt also schon vorgewärmt im Zimmer an, ohne dass sich verbrauchte und frische Luft je vermischen. Ein Bild dafür: Es ist wie ein Händedruck zwischen zwei Personen, die aneinander vorbeigehen — die Wärme wechselt die Seite, die Menschen bleiben getrennt. Zwei Bauarten setzen das unterschiedlich um.

Zentrale Anlagen: der Plattenwärmetauscher im Gegenstrom

Bei einer zentralen Lüftung laufen Zu- und Abluft gleichzeitig durch ein Gerät im Keller oder auf dem Dachboden. Dort sitzt ein Plattenwärmetauscher: viele dünne Platten, zwischen denen die beiden Luftströme in entgegengesetzter Richtung vorbeiziehen. Weil sie im Gegenstrom aneinander vorbeigeführt werden, gibt die Abluft über die ganze Länge Wärme ab. Zu- und Abluft sind durch die Platten sauber getrennt. Wie sich zentrale und dezentrale Technik sonst unterscheiden, steht im Vergleich dezentrale oder zentrale Lüftung.

Dezentrale Geräte: der keramische Speicher im Wechseltakt

Ein dezentrales Gerät sitzt einzeln in der Außenwand und arbeitet anders, weil es nur einen Kanal hat. In seinem Inneren steckt ein keramischer Wärmespeicher, eine wabenförmige Masse. Der Ventilator läuft im Wechseltakt: Etwa siebzig Sekunden lang bläst er die warme Abluft nach draußen, die Keramik saugt die Wärme dabei auf wie ein Stein die Sonne. Dann dreht der Ventilator die Richtung um und zieht kalte Frischluft durch dieselbe, nun warme Keramik ins Zimmer — vorgewärmt. Arbeiten zwei Geräte gegenüber im Gegentakt, holt das eine Luft, während das andere sie abgibt, sodass im Raum ein steter Austausch entsteht.

Zwei Kennzahlen, die oft verwechselt werden

Das ist der entscheidende Punkt beim Vergleich. Für die Wärmerückgewinnung gibt es nicht eine, sondern zwei gebräuchliche Kennzahlen, und sie fallen unterschiedlich hoch aus. Wer sie durcheinanderbringt, vergleicht Äpfel mit Birnen. Die eine misst nur die reine Temperaturänderung der Luft, die andere rechnet zusätzlich die Wärme mit ein, die der Ventilator selbst abgibt.

Der Temperaturänderungsgrad ist die konservative, ehrliche Betriebszahl. Er beschreibt schlicht, wie weit sich die einströmende Frischluft der warmen Raumtemperatur annähert. Kommt Luft mit null Grad herein und der Raum hat zwanzig Grad, dann bedeutet ein Temperaturänderungsgrad von 80 Prozent, dass die Zuluft mit sechzehn Grad ins Zimmer strömt. Für dezentrale Geräte mit Wärmerückgewinnung wird dieser Wert nach der Prüfnorm DIN EN 13141-8 im Labor ermittelt. Er zählt nur die tatsächlich übertragene Wärme und schmückt nichts.

Der Wärmebereitstellungsgrad rechnet einen zweiten Effekt hinzu: Auch der Strom, den der Ventilator verbraucht, wird am Ende zu Wärme und heizt die durchströmende Luft ein wenig mit auf. Diese Motorwärme zählt der Wärmebereitstellungsgrad als „bereitgestellte“ Wärme mit, weshalb er für dasselbe Gerät höher ausfällt als der Temperaturänderungsgrad. Falsch ist das nicht, es ist eine andere Rechnung. Man muss nur wissen, welche Kennzahl man vor sich hat — sonst wirkt ein Gerät auf dem Papier besser, ohne dass ein Kelvin mehr Wärme zurückgewonnen würde.

Kurz gegenübergestellt:

KennzahlWas sie misstFällt aus
Temperaturänderungsgradnur die übertragene Wärme (reine Temperaturänderung der Zuluft)konservativ, niedriger
Wärmebereitstellungsgradzusätzlich die Wärme aus dem Stromverbrauch des Ventilatorshöher

Die praktische Regel daraus: Wer zwei Geräte ehrlich vergleicht, nimmt aus beiden Datenblättern dieselbe Kennzahl. Steht bei einem Gerät der Temperaturänderungsgrad und beim anderen der Wärmebereitstellungsgrad, ist der Vergleich wertlos.

Warum „bis zu 95 Prozent“ mit Vorsicht zu lesen ist

In der Werbung tauchen regelmäßig Angaben wie „bis zu 90 Prozent“ oder „bis zu 95 Prozent“ Wärmerückgewinnung auf. Solche Sätze sind mit Bedacht zu lesen, aus drei Gründen. Erstens ist „bis zu“ ein Höchstwert unter Idealbedingungen, nicht der Wert, der bei Ihnen zu Hause tagein, tagaus anliegt. Zweitens wird für die höchste Zahl gern die günstigere Kennzahl gewählt, also der Wärmebereitstellungsgrad statt des Temperaturänderungsgrads. Und drittens gelten Laborbestwerte oft für einen bestimmten Betriebspunkt — eine feste Luftmenge, eine feste Temperaturdifferenz —, der im Alltag selten genau so eintritt. Eine belastbare Angabe nennt deshalb die Kennzahl, den Betriebspunkt und im Idealfall die Prüfnorm. Fehlt das alles und bleibt nur eine große Zahl mit „bis zu“ davor, ist Skepsis angebracht.

Was ein guter Wert wirklich bedeutet — und worauf Sie im Datenblatt achten

Je höher der Rückgewinnungsgrad, desto weniger Heizwärme geht mit der Lüftung verloren und desto weniger muss die Heizung nachlegen. Ein Gerät, das die Frischluft vorwärmt, spart also Heizkosten — spürbar, aber eben in dem Rahmen, den die reale Kennzahl vorgibt, nicht der Werbewert. Das Novarius-Lüftungsgerät erreicht einen geprüften Temperaturänderungsgrad von 83 Prozent nach der Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt-Zulassung Z-51.3-520). Das ist bewusst die konservative Kennzahl, nachvollziehbar geprüft, nicht der geschöntere Wärmebereitstellungsgrad. Ein solcher belegter Wert sagt mehr als jede „bis zu“-Angabe.

Wenn Sie zwei Geräte vergleichen, hilft eine kurze Checkliste:

  • Welche Kennzahl? Temperaturänderungsgrad oder Wärmebereitstellungsgrad — und bei beiden Geräten dieselbe.
  • Ist ein Betriebspunkt genannt? Also die Luftmenge und die Temperaturdifferenz, für die der Wert gilt. Ohne Betriebspunkt ist eine Prozentzahl kaum einzuordnen.
  • Steht eine Prüfung oder Norm dahinter? Eine unabhängige Prüfung oder eine bauaufsichtliche Zulassung wiegt schwerer als eine reine Herstellerangabe.
  • Ist es ein Höchstwert oder ein Betriebswert? „Bis zu“ markiert das Optimum, nicht den Alltag.

Die Grenzen: 100 Prozent gibt es nicht

So gut Wärmerückgewinnung ist, sie kann nie die gesamte Wärme zurückholen. Ein Rest entweicht immer, sonst wäre es ein Perpetuum mobile. Dazu kommt das Verhalten bei Kälte und Feuchte. In der Abluft steckt Feuchtigkeit; kühlt sie im Wärmetauscher stark ab, kann Wasser auskondensieren, und bei strengem Frost droht dieses Wasser zu vereisen. Gute Geräte begegnen dem mit einem Frostschutz, etwa indem sie den Takt anpassen. Ein keramischer Speicher im Wechseltakt kann außerdem einen Teil der Feuchte kurz aufnehmen und mit der Zuluft zurückführen, was im Winter gegen zu trockene Raumluft hilft. Wer wissen will, warum Wärmerückgewinnung deshalb nicht „nichts bringt“, wie es manchmal behauptet wird, findet die Einordnung im Beitrag Nachteile und Erfahrungen.

Häufige Fragen zur Wärmerückgewinnung bei der Lüftung

Wärmerückgewinnung bedeutet, dass eine Lüftungsanlage die Wärme aus der verbrauchten Abluft an die frische Zuluft überträgt, bevor die alte Luft das Haus verlässt. Die beiden Luftströme berühren sich dabei nie. Dadurch kommt die Frischluft vorgewärmt ins Zimmer, und ein Großteil der Heizwärme bleibt im Haus, statt mit der Lüftung verloren zu gehen.

Der Temperaturänderungsgrad misst nur die reine Temperaturänderung der Zuluft, also die tatsächlich übertragene Wärme; er ist die konservative Kennzahl. Der Wärmebereitstellungsgrad rechnet zusätzlich die Wärme mit ein, die der Ventilator über seinen Stromverbrauch abgibt, und fällt für dasselbe Gerät deshalb höher aus. Beim Vergleich zweier Geräte muss man aus beiden Datenblättern dieselbe Kennzahl nehmen.

Ein belastbarer Wert liegt bei modernen Geräten hoch, aber eine einzelne Prozentzahl sagt wenig, solange nicht die Kennzahl und der Betriebspunkt dabeistehen. Wichtiger als eine besonders große Zahl ist, dass der Wert nachvollziehbar geprüft ist und bei beiden Vergleichsgeräten dieselbe Kennzahl gemeint ist. Ein geprüfter, konservativer Wert ist aussagekräftiger als ein hoher Werbe-Höchstwert.

„Bis zu“-Angaben nennen den Höchstwert unter Idealbedingungen, nicht den Wert im Alltag. Oft wird dafür die günstigere Kennzahl gewählt und ein bestimmter Laborbetriebspunkt zugrunde gelegt, der zu Hause selten genau so eintritt. Solche Zahlen sind nicht zwingend falsch, aber ohne Angabe von Kennzahl, Betriebspunkt und Prüfnorm schwer einzuordnen und sollten mit Vorsicht gelesen werden.

Nein. Ein Teil der Wärme entweicht immer, ein Rückgewinnungsgrad von 100 Prozent ist physikalisch nicht möglich. Hinzu kommt, dass bei Kälte Feuchtigkeit aus der Abluft auskondensieren und vereisen kann, weshalb Geräte einen Frostschutz brauchen. Realistische, geprüfte Werte liegen deutlich unter 100 Prozent, und genau die gehören ins Datenblatt.

Achten Sie auf vier Dinge: erstens welche Kennzahl genannt ist und ob bei beiden Geräten dieselbe steht, zweitens ob ein Betriebspunkt (Luftmenge und Temperaturdifferenz) angegeben ist, drittens ob eine Prüfung oder Norm dahintersteht, und viertens ob es sich um einen Höchstwert oder einen Betriebswert handelt. Erst wenn diese Angaben vergleichbar sind, sagt die Prozentzahl etwas aus.

Unsicher, welcher Wert für Ihr Vorhaben zählt?

Welche Kennzahl für Ihr Haus wirklich relevant ist und was ein Gerät im Alltag leistet, hängt von der Bauart, der Raumsituation und dem gewünschten Luftwechsel ab. Als Hersteller dezentraler Lüftungssysteme ordnen wir die Zahlen ehrlich für Sie ein, statt mit einem Höchstwert zu locken.

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